Was sind EPAs in der ärztlichen Weiterbildung?

EPAs, also anvertraubare professionelle Tätigkeiten, machen Kompetenz an konkreten Aufgaben aus dem klinischen Alltag beobachtbar. Hier steht, was dahinter steckt.

Kurzantwort

Eine EPA (Entrustable Professional Activity, deutsch APT) ist eine ärztliche Tätigkeit, die einem Arzt in Weiterbildung schrittweise eigenständig anvertraut wird. Bewertet wird auf Anvertrauensstufen, meist nach der fünfstufigen ten-Cate-Skala, bestätigt durch einen Supervisor. Einen bundeseinheitlichen EPA-Katalog für die Weiterbildung gibt es nicht; Frameworks kommen von Fachgesellschaften und Abteilungen.

Was eine EPA ist

EPA steht für Entrustable Professional Activity, auf Deutsch anvertraubare professionelle Tätigkeit (APT). Das Konzept stammt von Olle ten Cate (Universität Utrecht, 2005) und beschreibt eine abgegrenzte ärztliche Aufgabe, die einem Arzt in Weiterbildung anvertraut wird, sobald er die dafür nötige Kompetenz gezeigt hat.

Eine EPA ist damit eine konkrete Tätigkeit aus dem klinischen Alltag: die eigenständige Aufklärung vor einem Eingriff, die Durchführung einer definierten Prozedur, das Führen einer Visite oder die strukturierte Patientenübergabe.

EPA und Kompetenz: zwei Blickwinkel auf dieselbe Arbeit

Die beiden Begriffe werden oft vermischt, beschreiben aber Unterschiedliches. Zusammen ergeben sie das Bild: An einer EPA wird beobachtbar, ob die nötigen Kompetenzen vorhanden sind.

EPA / APT

Beschreibt die Arbeit: eine abgegrenzte, beobachtbare Tätigkeit, die man jemandem anvertrauen kann. Beispiel: „Aufklärung vor einer Koloskopie durchführen“.

Kompetenz

Beschreibt die Person: Wissen, Fertigkeiten und Haltungen, die jemand mitbringt. Beispiel: Kommunikationsfähigkeit, prozedurale Fertigkeit, Urteilsvermögen.

Wie eine EPA beschrieben wird

Eine vollständige EPA-Beschreibung ist mehr als ein Titel. International üblich (AMEE Guide No. 99) sind diese Bestandteile:

  • Titel und Kurzbeschreibung der Tätigkeit, mit Fachzuordnung
  • Spezifikation und Grenzen: was dazugehört und was ausdrücklich nicht
  • Benötigte Kompetenzen: Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen, die der Tätigkeit zugrunde liegen
  • Bewertungsquellen: woraus die Einschätzung gespeist wird, etwa Beobachtung im Alltag oder strukturierte Rückmeldung
  • Empfohlene Anvertrauensstufe für den jeweiligen Ausbildungsabschnitt

Warum EPAs Richtzahlen ergänzen

Richtzahlen zeigen, wie oft etwas gemacht wurde. Die EPA-Bewertung zeigt, wie eigenständig es beherrscht wird. Beide gehören zusammen und beschreiben unterschiedliche Dimensionen derselben Weiterbildung.

Bewertet wird auf Anvertrauensstufen, meist nach der fünfstufigen ten-Cate-Skala: von der Beobachtung über die Durchführung unter direkter und indirekter Supervision bis zur eigenständigen Ausübung und schließlich der Aufsicht über andere.

Wo EPAs heute stehen: Deutschland und die Schweiz

Im deutschen Medizinstudium sind APT-Konzepte für das Praktische Jahr ausgearbeitet (Vorschläge des Medizinischen Fakultätentags und der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung). Die Schweiz führt EPAs seit 2024 über das SIWF strukturiert in die ärztliche Weiterbildung ein.

Für die Facharzt-Weiterbildung in Deutschland gilt: Die Weiterbildungsordnung ist kompetenzorientiert, aber nicht EPA-formatiert. Einen bundeseinheitlichen, verbindlichen EPA-Katalog gibt es nicht; EPA-Listen kommen von Fachgesellschaften, Fakultäten oder einzelnen Abteilungen. Wer heute mit EPAs arbeiten will, bildet deshalb das Framework des eigenen Fachs oder der eigenen Abteilung ab.

In WDoku

In WDoku bilden Sie ein EPA-Framework als Kompetenzkatalog ab, mit einer ten-Cate- oder Ampelskala. Beim Erfassen einer Leistung schätzen Sie sich selbst ein und fragen die Vidierung bei einem berechtigten Supervisor an.

Der Supervisor bestätigt oder hinterfragt die Maßnahme mit Stufe und Kommentar. So entsteht ein dokumentierter Kompetenznachweis, Maßnahme für Maßnahme. Erreicht ein Eintrag die hinterlegte Schwelle bestätigter Vidierungen, markiert WDoku ihn als freigeschaltet; Grundlage sind ausschließlich die vom Supervisor bestätigten Maßnahmen. Die offizielle Bestätigung der Weiterbildung bleibt Sache des eLogbuchs der Landesärztekammer.

FAQ

Was bedeutet EPA in der Medizin?

EPA steht für Entrustable Professional Activity, eine anvertraubare professionelle Tätigkeit (APT): eine ärztliche Aufgabe, die schrittweise eigenständig anvertraut wird, sobald die nötige Kompetenz gezeigt wurde.

Ist mit EPA die elektronische Patientenakte gemeint?

Nein. In der medizinischen Aus- und Weiterbildung steht EPA für Entrustable Professional Activity (anvertraubare professionelle Tätigkeit). Die elektronische Patientenakte ist ein anderes Thema und wird meist ePA abgekürzt.

Was ist der Unterschied zwischen EPA und Richtzahl?

Die Richtzahl zählt, wie oft etwas gemacht wurde. Die EPA-Bewertung beschreibt, wie eigenständig die Tätigkeit beherrscht wird, gemessen auf Anvertrauensstufen.

Wer bestätigt eine EPA?

Ein berechtigter Supervisor, typischerweise ein Ober- oder Facharzt, vidiert die Maßnahme auf der passenden Anvertrauensstufe und ergänzt eine Rückmeldung.

Skala ten-Cate-Anvertrauensstufen

Die fünf Stufen im Detail.

Umsetzung Kompetenzkatalog erstellen

Das EPA-Framework des Fachs abbilden, auch per KI.

Einordnung Richtzahl oder Kompetenz

Was beide Größen messen und warum sie zusammengehören.